Augustiner/Oktoberfest/Reinheitsgebot

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Augustiner/Oktoberfest/Reinheitsgebot

Beitragvon Dad Pa » Do Okt 05, 2006 2:54 pm

Die Geschichte von Augustiner-Bräu, mit über 670 Jahre Tradition die älteste Brauerei Münchens, beginnt wohl im Jahre 1294, als der Grundstein des Augustiner-Klosters auf dem Haberfeld an der "Neuhauser Gasse" gelegt wurde. Urkundlich anerkannt ist, dass bereits 1328 im Kloster-Gebäude ein Brauhaus bestand und dort auch vorzügliches Bier gebraut wurde. Dies änderte sich auch nicht durch einen Großbrand eben in diesem Jahre, bei dem das Bauwerk verschont blieb.

1328 gilt also als Gründungsjahr der Augustiner-Brauerei, die damit die älteste aller bestehenden Münchner Brauereien ist. Vom aller ersten Tag an bis zur Säkularisierung im Jahre 1803, als auch etliche weitere Klöster in Bayern durch Reformen verstaatlicht wurden, wurde im Brauhaus fortwährend das sehr bekannte Bier gebraut. Dieses wurde dann in der hauseigenen Schenke, sehr beliebt wegen der freundlichen Stimmung, verkauft, da das Kloster sowohl Brau- als auch Ausschankrechte besaß. Des weiteren war die Brauerei von sämtlichen Steuern befreit, sozusagen als Bonus vom Fürsten für die außerordentliche Qualität des produzierten Bieres.

Nach der Übernahme des Klosters durch den Staat und den Auszug der Ordensbrüder wurde das Brauhaus privatisiert und 1817 in die Neuhauser Straße 275, mittlerweile Nr. 27 und in der Fußgängerzone gelegen, verlegt. Die Brauräume wurden bis 1885 im zweiten Stammhaus beherbergt und später fand dort die beliebte Gaststätte, die wohlgemerkt heute noch existiert, ihren Platz, obwohl zur Wende ins 19. Jahrhundert durch den bekannten Architekten Emanuel von Seidl komplett neu gestaltet. Die nächsten Räume der Brauerei wurden das Kellerareal an der Landsberger Straße, heutzutage Nr. 31-35 und auch Standort des "Bräustüberl", und sind es bis heute geblieben.

Dieser letzte und inzwischen bewährte Umzug ist der Familie Wagner, namentlich Herr Anton und Frau Therese, zu verdanken, die 1829 den Betrieb kauften und daraufhin diesen als Privatbrauerei führten, so wie alle ihre Nachfolger bis in die heutige Zeit. Im Laufe seiner Geschichte hat Augustiner-Bräu einige Kriege, eine Privatisierung und viele Erweiterungen überstanden, ohne jemals seine Philosophie zu vergessen, geschweige denn die Qualität seines Bieres aufs Spiel zu setzen. Diese Tatsache hat Augustiner-Bräu zu einem Stück Münchner Kultur und die Stadtteilwirtschaften und Biergärten - hauptsächlich den "Augustiner-Keller und den "Hirschgarten" - zu Stätten Altmünchner Geselligkeit und Gemütlichkeit gemacht.

Das Augustiner-Bier wurde ab 1328 fast 500 Jahre lang im Kloster der Ordensbrüder nahe dem Dom zu München gebraut. Erst nach der Säkularisierung 1803 und der darauf folgenden Privatisierung zog Augustiner-Bräu 1817 in die Neuhauser Straße, wo heute noch das bekannte Stammhaus steht. 1829 übernahm die Familie Wagner den Betrieb, welcher 1885 in das Kellerareal an der Landsberger Straße verlegt wurde. Im zweiten Weltkrieg erlitt die Brauerei sehr schwere Schäden, aber längst erstrahlt der ganze Komplex mit der langen, denkmalgeschützten Backsteinfassade wieder in alter Pracht.

Mit erheblichen Investitionen wurde die Kapazität erweitert und gleichzeitig tüchtig im Unternehmen rationalisiert. Auf zwei voll mechanisierten Abfüllstraßen wird das Flaschenbier abgefüllt, dem Fassbier - im traditionellen Holzfass - widmen die Braumeister ihre besondere Pflege und Beachtung. Malz von seltener Qualität wird noch in der eigenen Tennenmälzerei hergestellt. Der ganze Betrieb wird über umweltfreundliches Erdgas mit Heißwasser versorgt. Die Dampfschwaden aus dem Sudhaus werden nicht wie früher einfach in die Luft geblasen, sondern zur neuen Energiegewinnung verdichtet. Das Brauwasser wird aus dem eigenen Brunnen aus 230 m Tiefe hoch gepumpt und es hat hervorragende Trinkqualität. Das ausgezeichnete Bier wird unter anderem auch im hauseigenen Brauereiausschank an der Landsberger Straße, dem "Bräustüberl", ausgeschenkt.

Die Wurzeln einer der wichtigsten Münchner Traditionen, das Oktoberfest, liegen in den prachtvollen Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen Ludwig von Bayern mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen am 12. Oktober des Jahres 1810, nur vier Jahre nach Bayerns Erhebung zum Königreich.
Der Gemahl sollte später der bekannte "Neugestalter" Münchens werden, König Ludwig I., während die Gemahlin ihren Namen der Festwiese, welche zu der Zeit außerhalb Münchens lag, geben durfte, sodass diese von da an "Theresienwiese" heißen würde. Daher auch die Münchner Bezeichnung "Wies'n" für das Oktoberfest, dass selbst heutzutage noch auf der "Theresienwiese" statt findet, mit dem einzigen Unterschied, dass dort jetzt ein Platz ist.
Damals hat man 5 Tage lang in Ehren der Neuvermählten gefeiert, denn der Anlass wurde zum Nationalfest für ganz Bayern erklärt und ist es noch lange Zeit danach geblieben. München war die Bühne des fröhlichen Treibens und all ihre Einwohner waren offiziell dazu eingeladen, wodurch die Feier schon damals als "Volksfest" bezeichnet wurde. Der Abschluss am 17. Oktober 1810 bildete ein vom gehobenen Bürgertum realisiertes Pferderennen. Da die Feierlichkeiten, und insbesondere das Pferderennen, sehr beliebt gewesen waren, entschied man sich, die "Oktober-Feste", so der früheste Name, das folgende Jahr zu wiederholen.
Schon während der ersten Lebensjahre des Oktoberfests kamen weitere Attraktionen zum Pferderennen hinzu, wie z.B. das "Zentrallandwirtschaftsfest" und diverse Buden für den Verkauf von Speisen und Trank, insbesondere von Bier. Nachdem 1850 die Statue "Bavaria" aufgestellt wurde, wurde der nächste Höhepunkt im langen Leben des Oktoberfests die Vorstellung der Karusselle, die schnell große Beliebtheit erlangten, um 1870. Das Fest fiel derweil auch einige Male aus verschiedenen Gründen aus. Ab 1880 wurden nächtliche Besuche auf dem Oktoberfest erstmals ermöglicht durch die Einführung des elektrischen Stroms. Als 1892 die gläserne Maß ihren Einzug hielt und die steinerne verdrängte, wurde sie zum heißen Streitgegenstand.
Ungefähr ab der Jahrhundertwende ersetzten die riesigen Zelte die kleineren Bierbuden. Nach seinem 100. Jubiläum 1910 kam bald die erste große Zwangspause wegen des Ersten Weltkriegs, die allzu früh wiederholt werden musste als der Zweite Weltkrieg anhielt. 1950 führte Oberbürgermeister Thomas Wimmer, der "Wimmer Dammerl", wie ihn die Münchner Bevölkerung damals liebevoll nannte, die "O'zapft is"-Tradition ein, also den Anstich des aller ersten Bierfass am ersten Oktoberfest-Tag um Punkt 12.00 Uhr. Im selben Jahr verschwand das Pferderennen vom Programm.

Das Reinheitsgebot

Das Bayerische Reinheitsgebot wurde am 23. April 1516 auf dem Landständetag zu Ingolstadt durch die damaligen beiden gemeinsamen Regenten Bayerns, die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X, beschlossen und besagt, dass zur Herstellung von Bier nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen. Hefe wird im Reinheitsgebot nicht erwähnt, da 1516 so gut wie nicht bekannt war, dass sie eine wesentliche Voraussetzung für die Gärung und also der vierte nötige Rohstoff für Bier ist.
Das Reinheitsgebot ist der Höhepunkt einer langwierigen Entwicklung, die über 200 Jahre dauerte, um die Produktion des Bieres zu regeln, sodass weder ungesunde Zutaten, noch für die Brotproduktion relevantes Getreide dem Bier beigemischt wurden. Ferner setzte es sämtliche Preise fest und sicherte dadurch dem Volk ein Grundnahrungsmittel.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Brauvorschrift nach und nach von allen deutschen Ländern und ab 1906 vom ganzen Deutschen Reich und seine Nachfolger übernommen. Noch heute basiert unser Biergesetz auf dem Reinheitsgebot, welches immer noch ein Zeichen höchster Qualität ist.


Übersetzung der Originalfassung: Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll: [...]Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landwirtschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli bis Georgi eine Maß (1) oder ein Kopf (2) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (3) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll. Wo aber einer nicht Märzen, sondern anderes Bier brauen oder sonst wie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Androhung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.[...]

(1)bayerische Maß= 1,069 Liter
(2)halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten; nicht ganz eine Maß
(3)gewöhnlich ein halber Pfennig

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Beitragvon Vulkanlili » Do Okt 05, 2006 3:55 pm

Hallo Dädi,

jaja ... der Augustiner-Keller ... war vor Jahren mal mit meinem Sohnemann drin, urgemütlich!

Aber die Preise von damals ... 1/2 Pfennig ... wer da nicht ins Schwärmen gerät ... :roll: :roll: :roll:

Grüssle nach München! :P
Eversmiling Liberty!

Grüssle
Senora Tenora


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